GWG: Sonderregelung für Kleinunternehmer

Moritz Buhl

Zur Verwunderung vieler Gründer dürfen die Anschaffungs- und Herstellungskosten größerer Anschaffungen erst nach und nach über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Das Prinzip „Heute zahlen – aber erst Jahre später von der Steuer absetzen“ kann dazu führen, dass Teile deiner Ausgaben für 2017 angeschaffte Büromöbel unter Umständen noch 2030 (!) bei deinen Betriebsausgaben auftauchen!

Lektüretipp: Ausführlichere Informationen zu diesem Thema findest du im Beitrag „Absetzung für Abnutzung: Wie funktioniert die Abschreibung?

Sonderregelung für geringwertige Wirtschaftsgüter

Immerhin gelten für steuerliches „Kleinvieh“ Sondervorschriften: So dürfen geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) im Jahr der Anschaffung komplett von der Steuer abgesetzt werden. Derzeit liegt die allgemeine Netto-Wertgrenze für GWG-Anschaffungen bei 410 Euro. Ab 2018 steigt sie auf 800 Euro. Das wurde allerdings auch höchste Zeit: Die bisherige Wertgrenze gilt schon seit fast 50 Jahren!

Kleiner Tipp vorweg: Sofern bei dir gerade kein Zeitdruck besteht, solltest du Anschaffungen im Bereich zwischen 410 Euro und 800 Euro aufs nächste Jahr verschieben.

Ausnahmsweise brutto!

Was viele umsatzsteuerliche Kleinunternehmer nicht wissen: Für sie gelten andere absolute Beträge. Da es sich bei der 410-Euro- und der 800-Grenze um Nettobeträge handelt, Kleinunternehmer aber keine Vorsteuer abziehen können, dürfen sie …

  • im Jahr 2017 GWG im Einkaufswert von bis zu 487,90 Euro
  • ab 2018 GWG im Einkaufswert von bis zu 952 Euro

… als Betriebsausgaben geltend machen!

Alles andere würde zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen, bei der umsatzsteuerpflichtige Unternehmen größere GWG-Freiheiten hätten als Kleinunternehmer.

Beispiel Smartphone-Anschaffung in 2017:

  • Netto-VK: 378,15 Euro
  • Vorsteuer:    71,85 Euro
  • Brutto-VK: 450,00 Euro

Obwohl das Smartphone mit dem Brutto-Verkaufspreis (= Ladenpreis) von 450 Euro auf den ersten Blick über der GWG-Grenze liegt, darfst du es als Kleinunternehmer bei deiner Einnahmenüberschussrechnung im Jahr der Anschaffung komplett als Betriebsausgabe ansetzen!

Dasselbe gilt ab 2018 beispielsweise für ein Notebook zum Ladenpreis von 950 Euro: Auch hier greift die GWG-Sonderregelung für Kleinunternehmer, da der Netto-Verkaufspreis mit 798,32 Euro unter der neuen 800-Euro-Wertgrenze liegt.

Genau genommen handelt es sich gar nicht um eine Sonderregelung – vielmehr ist die GWG-Grenze generell eine Netto-Wertgrenze. Die ist in § 6 Abs. 2 EStG festgelegt („Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag“). Schließlich machen umsatzsteuerpflichtige Unternehmer den im Brutto-Verkaufspreis enthaltenen Umsatzsteueranteil als Vorsteuer geltend – und zwar zusätzlich zur (niedrigeren) Betriebsausgabe. Die Netto-Perspektive gilt auch dann, wenn im Einzelfall keine Vorsteuer abgezogen werden darf. Auf diese Weise kommen alle zu ihrem Recht.

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Gleiche GWG-Anforderungen

Und auch sonst stellt der Gesetzgeber an die steuerliche Anerkennung von geringwertigen Wirtschaftsgütern dieselben Anforderungen: Laut § 6 Abs. 2 EStG müssen es …

  • „abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens“ sein,
  • die zu „einer selbständigen Nutzung fähig sind“.

Nicht selbstständig nutzbar sind Wirtschaftsgüter demnach immer dann, wenn sie ihrer betrieblichen Zweckbestimmung (nach) nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens“ genutzt werden können und die „in den Nutzungszusammenhang eingefügten Wirtschaftsgüter technisch aufeinander abgestimmt sind“.

Typisches Beispiel ist der klassische PC-Drucker: Ohne Computer ist ein Drucker normalerweise praktisch unbrauchbar. Dass er separat gekauft und an verschiedene Computer angeschlossen werden kann, ändert daran nichts. Die Folge: Ein schlichter PC-Drucker muss zusammen mit dem dazugehörigen Computer über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Bei PCs beträgt die Nutzungsdauer derzeit drei Jahre.

Anders verhält es sich mit einem modernen Multifunktionsgerät, mit dem man nicht nur drucken, sondern auch kopieren, scannen und faxen kann. Viele dieser Funktionen lassen sich auch ohne angeschlossenen Computer nutzen. Eine solche „eierlegende Wollmilchsau“ darfst du daher unbesehen als GWG einstufen und sofort als Betriebsausgabe geltend machen (sofern die eingangs genannten Netto-Wertgrenzen nicht überschritten sind, versteht sich).

GWG-Verzeichnis führen

Nicht vergessen: Alle GWG-Anschaffungen eines Jahres mit einem Nettowert über 150 Euro (ab 2018: über 250 Euro) müssen „in ein besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis“ aufgenommen werden. Auch das ist in § 6 Abs. 2 EStG festgelegt. Das GWG-Verzeichnis muss nicht unbedingt eine eigens angelegte Liste sein: Die Vorlage des dazugehörigen Buchungs-Kontenblattes oder eine ähnliche Buchhaltungs-Auswertung reicht völlig.

Bei einer möglichen Betriebsprüfung vom Finanzamt solltest du jedenfalls in der Lage sein, auf Nachfrage ein vollständiges und nachvollziehbares GWG-Verzeichnis vorzulegen. In der jährlichen Einnahmenüberschussrechnung taucht ja nur der Gesamtbetrag aller GWG-Anschaffungen auf.

Du willst noch mehr zum Thema Kleinunternehmer und der Kleinunternehmerregelung wissen?

In unserer invoiz Bibliothek findest du eine umfassende Informationsseite! Einmal hier entlang: „Kleinunternehmerregelung: Was du als Kleinunternehmer wissen musst!„. 🙂

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Ein Kommentar

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