Wechsel zur Kleinunternehmerregelung: Geht das?

Moritz Buhl

Wusstest du, dass die Kleinunternehmerregelung nicht nur etwas für Gründer, nebenberufliche Selbstständige und Kleinstgewerbetreibende ist? Sofern die entsprechenden Bedingungen erfüllt sind, dürfen auch zuvor umsatzsteuerpflichtige Unternehmer zur Kleinunternehmerregelung wechseln! Ob du vorher irgendwann schon einmal Kleinunternehmer gewesen bist, spielt dabei keine Rolle.


Vorweg: Wenn du zu Beginn deiner Selbstständigkeit freiwillig auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichtet hast, bist du daran auf jeden Fall fünf Jahre lang gebunden. Auf deine tatsächlichen Umsätze und Umsatzerwartungen kommt es dann nicht an. Du kannst in dem Fall also frühestens im sechsten Jahr Kleinunternehmer werden! Um die freiwillige „Option“ für die Regelbesteuerung zu widerrufen, genügt dann ein formloses Schreiben ans Finanzamt.

Moooooment mal!

Bevor du dich genauer mit den Voraussetzungen des Wechsels zur Kleinunternehmerregelung beschäftigst, solltest du deine Entscheidung gründlich überdenken:

  • Zwar sparst du dir dadurch die Umsatzsteuervoranmeldungen. Du verzichtest aber auch ohne Not auf die Vorsteuererstattung! Wenn du bereits Erfahrungen mit Voranmeldungen gemacht hast, weißt du, dass es keine Raketenwissenschaft ist und sich der Aufwand in Grenzen hält. Eine Umsatzsteuererklärung, Einnahmenüberschussrechnung und Einkommensteuererklärung musst du auch als Kleinunternehmer abgeben.
  • Hinzu kommt: An den fehlenden Umsatzsteuerangaben auf der Rechnung erkennen deine Kunden künftig sofort, dass du ein „kleines Licht“ 😊 mit wenigen Aufträgen und / oder geringem Auftragsvolumen bist. Vor allem Geschäftskunden zweifeln vielfach an der Erfahrung und Professionalität umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer. Oft zwar zu Unrecht – aber gegen Vorurteile ist nun einmal kein Kraut gewachsen. Jetzt mit invoiz professionelle Kleinunternehmer-Rechnungen schreiben!
  • Echte finanzielle Vorteile hast du als Kleinunternehmer zudem nur dann, wenn deine Kunden ausschließlich (oder jedenfalls weit überwiegend) Privatleute sind. Dann kannst du im Vergleich zu regelbesteuerten Unternehmern etwas günstigere Verkaufspreise anbieten. Und bei gleichen Verkaufspreisen erzielst du etwas höhere Gewinne.

Umsatzgrenze richtig berechnen!

Du hast dir die Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung gut überlegt und am besten mit deinem Steuerberater besprochen? Ok, dann schau’n wir uns mal die rechnerischen Voraussetzungen an:

Beim Ermitteln der Vorjahres-Umsatzgrenze ist eine Besonderheit zu beachten, mit der sich viele Steuerpflichtige und sogar manche Steuer- und Unternehmensberater schwertun: Bei der Kleinunternehmer-Umsatzgrenze handelt es sich um einen Bruttowert. Der Gesamtbetrag enthält also die Umsatzsteuer. Laut § 19 UStG gilt die Kleinunternehmerregelung nämlich nur dann …

„wenn der […] Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50 000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.“

Mal angenommen, du möchtest ab Januar 2018 von der Regelbesteuerung zur Kleinunternehmerregelung wechseln. Dann hängt die einschlägige Betrags-Obergrenze von den für dich geltenden Steuersätzen ab:

  • Falls deine Waren und Dienstleistungen dem Regelsteuersatz von 19 % unterliegen, darfst du im Jahr 2017 nicht mehr als 14.705,88 Euro Umsatz plus 19% Umsatzsteuer erzielen (14.705,88 Euro + 2.794,12 Euro = 17.500 Euro). Ab einem steuerpflichtigen Umsatz von 14.706 Euro liegst du bereits über der Kleinunternehmer-Grenze.
  • Falls du deinen Kunden den ermäßigten Steuersatz von 7% in Rechnung stellst, darfst du im Jahr 2017 nicht mehr als 16.355,14 Euro Umsatz plus 7% Umsatzsteuer erzielen (16.355,14 Euro + 1.144,86 Euro = 17.500 Euro). In dem Fall liegst du also erst ab einem steuerpflichtigen Umsatz von 16.356 Euro über der Kleinunternehmer-Grenze.
  • Wenn du zurzeit sowohl Waren und Dienstleistungen mit 7 % als auch solche mit 19 % in Rechnung stellst, addierst du die Summe deiner verschiedenen steuerpflichtigen Umsätze und deiner Umsatzsteuereinnahmen.

So oder so: Du bleibst 2017 unter 17.500 Euro? Ok, dann fehlt noch der Ausblick auf 2018: Hier gilt eine Obergrenze von 50.000 Euro. Auch dabei handelt es sich um einen Bruttobetrag. Für dich als Kleinunternehmer spielt das aber keine Rolle, weil der darin enthaltene Umsatzsteueranteil ja „nicht erhoben“ wird. Auch eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Steuersätzen kannst du dir bei deiner Schätzung fürs Folgejahr sparen: Als Kleinunternehmer-Einnahmen legst du einfach die Summe deiner voraussichtlichen Verkaufserlöse zugrunde.

Formlose Mitteilung ans Finanzamt!

Du erfüllst alle Voraussetzungen für den Wechsel zur Kleinunternehmerregelung? Dann reicht eine formlose Mitteilung ans Finanzamt. Falls die Bedingungen gegeben sind, kann das Finanzamt dich nicht am Wechsel der Besteuerungsform hindern.

Übrigens: Du darfst den Wechsel zur Kleinunternehmerregelung sogar noch rückwirkend mit der Umsatzsteuererklärung des Folgejahres erklären – vorausgesetzt natürlich, du hast deinen Kunden in der Zwischenzeit keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt. Selbst das wäre genau genommen noch kein Hinderungsgrund – du müsstest dann aber nachträglich alle Ausgangsrechnungen ändern und an deine Kunden schicken. Dem Finanzamt ist das im Prinzip egal – zumindest deine Geschäftskunden werden davon aber „not amused“ sein:

  • Erstens verteuern sich deine Leistungen nachträglich um den Umsatzsteueranteil.
  • Und zweitens müssen deine Kunden ihre Umsatzsteuervoranmeldungen korrigieren.

Mit anderen Worten: Nachträgliche Statusänderungen solltest du nach Möglichkeit vermeiden!

invoiz Screenshot

Dein Finanz- und Rechnungstool

Jahresabgrenzungen berücksichtigen

Soviel zum Prinzip des Status-„Bäumchen-wechsel-dich“. Wenn du fest entschlossen bist, (wieder) Kleinunternehmer zu werden, musst du aber noch ein paar Feinheiten beachten. Auch die besprichst du am besten mit einem Steuerberater. Im Mittelpunkt steht dabei die saubere Abgrenzung der verschiedenen Wirtschaftsjahre:

Angenommen, du unterliegst in 2017 der Regelbesteuerung und wechselst am 1. Januar 2018 zur Kleinunternehmerregelung:

  • Bei Rechnungen aus 2017, die erst 2018 bezahlt werden, darfst du den Umsatzsteueranteil nicht einfach in die eigene Tasche stecken: Die Umsatzsteuereinnahmen musst du ans Finanzamt melden und überweisen.
  • Dasselbe gilt, wenn du Anfang 2018 noch Rechnungen für Waren und Dienstleistungen schreibst, die du schon 2017 geliefert oder erbracht hast. Da die Umsatzsteuer zum Zeitpunkt der Leistungserbringung entsteht (in dem Fall also 2017), musst du auf den betreffenden Rechnungen noch Umsatzsteuer ausweisen, die Steuer einkassieren, ans Finanzamt melden und abführen.
    Wenn du den Statuswechsel aber planvoll und vorausschauend vornimmst, kannst du die Zahl solcher Jahresabgrenzungen aber in Grenzen halten.
  • Immerhin: Das Prinzip der Jahresabgrenzung gilt auch für deine Vorsteueransprüche. Wenn Anfang 2018 noch Rechnungen von Lieferanten und Dienstleistern für Vorgänge des Jahres 2017 bei dir eintrudeln, darfst du den Umsatzsteueranteil von deinen Umsatzsteuereinnahmen abziehen. Falls du in 2018 keine Umsatzsteuereinnahmen aus 2017 mehr hast, bekommst du die Vorsteuer vom Finanzamt erstattet.

Apropos Vorsteuer: Besonders kompliziert wird der Wechsel von der Regelbesteuerung zur Kleinunternehmerregelung, wenn du in den letzten fünf Jahren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens angeschafft (z. B. Maschinen, Büroeinrichtung oder Firmenwagen) und die im Kaufpreis enthaltene Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend gemacht hast. Solange die 5-Jahresfrist noch nicht abgelaufen ist, musst du die Vorsteuererstattung korrigieren. Das gilt aber zum Glück nur für Wirtschaftsgüter im Nettowert von mehr als 1.000 Euro. Wichtig: Auf die „betriebsgewöhnliche“ oder auch tatsächliche Nutzungsdauer kommt es nicht an.

Angenommen, du hast 2015 ein Notebook im Wert von 1.500 Euro und die darauf fällige Umsatzsteuer in Höhe von 285 Euro als Vorsteuer geltend gemacht. Wenn du nun 2018 zur Kleinunternehmerregelung wechselst, musst du 2/5 des Vorsteuerabzugs von 285 Euro (= 114 Euro) ans Finanzamt zurückzahlen: Schließlich warst du nur in den Jahren 2015 bis 2017 vorsteuerabzugsberechtigt.

Fazit

Der Wechsel zur Kleinunternehmerregelung ist grundsätzlich zulässig – du solltest dir den Schritt aber wirklich gut überlegen. Vor allem bei wiederholtem Statuswechsel führen die Umstellungen zu mehr Aufwand als sie finanzielle Vorteile und bürokratische Erleichterungen bringen.

Du willst noch mehr zur Kleinunternehmerregelung wissen?

Dann bist du in unserer Bibliothek „Kleinunternehmerregelung: Was du als Kleinunternehmer wissen musst“ bestens aufgehoben! 🙂

Noch Fragen?

Was beim Start in die Selbstständigkeit in Sachen Steuern und Buchführung sonst noch alles zu beachten ist und wie invoiz dir dabei hilft, erfährst du auf folgenden Seiten:

Teste unser Finanz- und Rechnungsprogramm einfach 14 Tage lang kostenlos auf Herz und Nieren: Bloß mit E-Mail-Adresse und Passwort registrieren – und sofort steht dir der volle Funktionsumfang von invoiz zur Verfügung.

Jetzt gratis testen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.