Anlage EÜR: Jetzt auch für Kleinunternehmer Pflicht!

Moritz Buhl

Kleinunternehmer mit Betriebseinnahmen von bis zu 17.500 Euro durften beim Finanzamt in der Vergangenheit eine formlose Gewinnermittlung einreichen. Bei Bedarf sogar noch auf Papier: Wer wollte, konnte sich die elektronische Datenübermittlung sparen. Diese Möglichkeit besteht jetzt nur noch in Ausnahmefällen:

Im (unwahrscheinlichen 😊) Fall, dass dich eine elektronische Datenübermittlung vor unüberwindliche Hürden stellt, kannst du laut § 60 Abs. 4 EStDV einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung stellen. Dort heißt es: „Auf Antrag kann die Finanzbehörde zur Vermeidung unbilliger Härten auf eine elektronische Übermittlung verzichten; in diesem Fall ist der Steuererklärung eine Gewinnermittlung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck beizufügen.“


Diese Möglichkeit besteht aber nur noch in echten Härtefällen. Auf dich wird das schon allein deshalb kaum zutreffen, weil du diesen Text am Computer-Bildschirm oder auf dem Smartphone oder dem Tablet lesen kannst.

Ab sofort: Schluss mit Extrawurst

Falls du in der Vergangenheit eine formlose EÜR abgegeben hast, steht dir bei der demnächst fälligen Steuererklärung für das Jahr 2017 eine Umstellung bevor: Ab diesem Jahr musst du …

  1. deinen Einnahmenüberschuss mithilfe der amtlichen „Anlage EÜR“ ermitteln,
  2. die Anlage auf elektronischem Weg (über die sogenannte ELSTER-Schnittstelle) ans Finanzamt übermitteln und
  3. deine Datenübertragung obendrein „authentifizieren“. Dafür brauchst du eine elektronische Signatur. Das kann zum Beispiel die kostenlose Elster-Steuersignatur sein (ELSTER-Zertifikat).

Wichtig: Abgabetermin für EÜR und alle anderen betrieblichen und privaten Steuererklärungen ist im Jahr 2018 ein letztes Mal der 31. Mai. Die schon länger angekündigte zweimonatige Fristverlängerung bis Ende Juli gilt erstmals im Jahr 2019.

Solltest du Probleme haben, die Mai-Deadline zu halten, solltest du nicht auf Tauchstation gehen. Stell‘ lieber einen formlosen Antrag auf Fristverlängerung: In der Regel gewährt das Finanzamt eine Verlängerung bis Ende September des laufenden Jahres.

Übrigens: Falls sich ein Steuerberater um deine Finanzamtspflichten kümmert, kann er sich bis Ende 2018 Zeit lassen und dann auch die elektronische Datenübertragung übernehmen.

Das EÜR-Prinzip

Im Prinzip ist die Gewinnermittlung per Einnahmenüberschussrechnung denkbar einfach: Laut § 4 Abs. 3 EStG dürfen nicht-buchführungspflichtige Selbstständige und Gewerbetreibende „als Gewinn den Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ansetzen.“

Auszug EStG §4

Mit anderen Worten: Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben = Einnahmenüberschuss (= steuerpflichtiger Gewinn). Die bei kaufmännischen Bilanzen („Betriebsvermögensvergleich“) erforderlichen Bewertungsfragen, Jahresabgrenzungen und andere Feinheiten spielen bei der EÜR keine Rolle. In den allermeisten Fällen entscheidet der Zeitpunkt der Bezahlung darüber, in welchem Jahr Einnahmen und Ausgaben steuerlich berücksichtigt werden.

So einfach das Prinzip der Gewinnermittlung per EÜR klingt: Die Zeiten der „Freestyle-EÜR“, in denen Steuerpflichtige ihre Einnahmen und Ausgaben nach Gutdünken gliedern oder zusammenfassen durften, sind längst vorbei. Die anfangs noch recht überschaubaren Anforderungen an die „EÜR nach amtlichem Datensatz“ sind in den letzten 15 Jahren stetig gestiegen. Die Gliederung der Betriebseinnahmen und -ausgaben ist dabei immer differenzierter geworden.

invoiz Screenshot

Dein Finanz- und Rechnungstool

Das EÜR-Formular

Das EÜR-Formular kennt mittlerweile zehn verschiedene Einnahmearten und mehr als vierzig Ausgabearten. Allein die Kostenbestandteile einer einzelnen Geschäftsreise verteilen sich auf (mindestens) drei verschiedene EÜR-Zeilen.

Hintergrund: Die Standardisierung erleichtert es den Finanzbehörden, Abweichungen vom Branchenschnitt und andere Anhaltspunkte für fehlerhafte Gewinnermittlung oder unzulässige „Steueroptimierungen“ zu erkennen. Die Folge sind gezielte(re) Steuerprüfungen, deren Wahrscheinlichkeit bei Selbstständigen und Kleinunternehmern ansonsten statistisch gesehen sehr gering ist.

Andererseits: Um eine Raketenwissenschaft handelt es sich auch wieder nicht. Am besten schaust du dir die „Anlage EÜR“ für das Jahr 2017 einfach einmal an. Das elektronische Formular steht auf der Website des Bundesfinanzministeriums im Anhang des BMF-Schreibens vom 9. Oktober 2017 zum Download bereit.

Anlage EÜR 2017

Das EÜR-Formular besteht aus folgenden Teilen:

  • Seite 1 und 2: Angaben zum Betrieb, Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben,
  • Seite 3: Gewinnkorrekturen (z. B. Rücklagen, stille Reserven),
  • Seite 4: Anlageverzeichnis (Übersicht des Betriebsvermögens),
  • Seite 5: Ermittlung der nicht abziehbaren Schuldzinsen. Diese Nebenrechnung ist aber nur dann erforderlich, wenn du bei deinen Betriebsausgaben Schuldzinsen von mehr als 2.050 Euro geltend machst. Darlehenszinsen für die Anschaffung von Anlagevermögen zählen nicht dazu!

Außerdem enthält das BMF-Schreiben eine sechsseitige „Anleitung zum Vordruck“: Darin wird (sogar halbwegs verständlich) erklärt, welche Angaben in welchen Zeilen verlangt werden:

Anleitung für Anlage EÜR

Noch mehr Steuerformulare

Mit dem Ausfüllen der „Anlage EÜR“ ist es natürlich nicht getan: Den per Einnahmenüberschussrechnung ermittelten steuerpflichtigen Gewinn (oder Verlust) trägst du anschließend in die …

  • „Anlage S“ (bei Einnahmen aus selbstständigen Tätigkeiten) oder die
  • „Anlage G“ (bei Einnahmen aus Gewerbebetrieb) ein.

Wenn du einen Gewerbeschein hast (also ein Gewerbe ausübst), musst du außerdem eine Gewerbesteuererklärung abgeben. Außerdem ist eine Umsatzsteuererklärung fällig – und zwar auch dann, wenn du umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer bist. Aber all das kennst du ja schon: Daran hat sich gegenüber dem Vorjahr nichts geändert.

Die Daten-Übermittlung

Wenn du deine Steuerpflichten eigenhändig erledigen willst, brauchst du ab 2018 unbedingt eine Internetverbindung, eine elektronische Signatur und die passende Software:

  • Alle gängigen Buchführungs- und Steuerprogramme verfügen über die erforderliche ELSTER-Schnittstelle.
  • Falls du noch keine geeignete Software hast, kannst du deine elektronischen Steuererklärungen über Elster-Online (= „Online-Finanzamt“) im Bereich „Mein ELSTER“ erledigen: Das ist das gebührenfreie Dienstleistungsportal der Finanzverwaltung.
  • Alternativ kannst du deine Steuer-Datenübertragungen mit der kostenlosen amtlichen Windows-Software „ElsterFormular“ erledigen. Allerdings empfiehlt die Finanzverwaltung neuerdings nachdrücklich den Umstieg auf ESTER-Online.

Praxistipp: Wenn du deine Steuererklärungen selbst erledigen willst, solltest du dir in den nächsten Wochen beim ELSTER-Online-Portal eine elektronische Steuersignatur (= ELSTER-Zertifikat) besorgen. Wie das abläuft und was dabei zu beachten ist, erläutern wir in den nächsten Tagen an dieser Stelle: Stay tuned!

Noch Fragen?

Was du bei Gewinnermittlung und Steuererklärungen sonst noch alles beachten solltest und wie invoiz dir dabei hilft, erfährst du auf folgenden Seiten:

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