Kleingewerbe und Vollzeitjob: Welche Einkommensteuer zahle ich?

Moritz Buhl

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt nur eine Einkommensteuer. Die Lohnsteuer, die der Arbeitgeber deines Vollzeitjobs jeden Monat für dich ans Finanzamt überweist, ist bloß eine Vorauszahlung auf die jährliche Einkommensteuer. Deine Einkünfte als Arbeitnehmer und als Gewerbetreibender rechnet das Finanzamt zusammen. Hinzu kommen mögliche weitere freiberufliche Einkünfte oder auch Einnahmen aus Kapitalanlagen, Vermietungen, Renten sowie weiteren Einkunftsarten. Besteuert wird am Ende das Gesamteinkommen.

Wenn du neben deinem Hauptberuf noch ein Kleingewerbe betreibst und dabei Gewinn erzielst, erhöht sich dein „zu versteuerndes Einkommen“. Dann zahlst du im Folgejahr Einkommensteuer nach. Falls du mit deinem Nebengewerbe Verlust machst, sinkt dein steuerpflichtiges Gesamteinkommen. In dem Fall kannst du mit einer Steuerrückzahlung rechnen. Geregelt ist die Steuerpflicht von Gewerbetreibenden in § 15 EStG.

Vierteljährliche Steuervorauszahlungen

Das Finanzamt kann laut § 37 EStG auch von Kleingewerbetreibenden Einkommensteuer-Vorauszahlungen verlangen. Anders als die monatliche Lohnsteuer der Arbeitnehmer sind die Abschlagszahlungen der Selbstständigen vierteljährlich fällig. Stichtag ist jeweils der 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember des laufenden Jahres. Vorauszahlungen werden aber nur dann festgesetzt, wenn auf deine Einnahmen aus dem nebenberuflichen Kleingewerbe voraussichtlich mehr als 400 Euro pro Jahr Einkommensteuer anfallen.

Die Höhe der Vorauszahlungen orientiert sich am zu versteuernden Gesamteinkommen des Vorjahres. In manchen Fällen fehlen die erforderlichen Vorjahreszahlen (zum Beispiel, weil du dein Kleingewerbe neu gestartet hast). Dann beruht ein möglicher Vorauszahlungsbescheid auf deinen Angaben im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“. Dort musstest du im Abschnitt 3.1 auf Seite 5 „Angaben zur Festsetzung der Vorauszahlungen“ machen. Bei der Prognose unterscheidet das Formular zwischen den voraussichtlichen Einkünften „im Jahr der Betriebseröffnung“ und „im Folgejahr“:

Falls du zusammen mit deinem Ehe- oder Lebenspartner besteuert wirst, sind dort auch Angaben zu den Einkünften deines Partners erforderlich.

Wichtig:

(1) Du darfst die „voraussichtlichen Einkünfte“ aus deinem kleinen Gewerbebetrieb ruhig vorsichtig schätzen. Das gilt auch für die entsprechenden Angaben zur Umsatzhöhe, die du im Abschnitt 7.1 auf Seite 6 des Fragebogens machst. Fällt dein tatsächlicher Gewinn (oder Umsatz) höher aus, brauchst du keine Nachteile zu befürchten. Allerdings musst du dann auf kurzfristig fällige Steuernachzahlungen vorbereitet sein. Hinzu kommen die nachträglich erhöhten Vorauszahlungen für das zweite Geschäftsjahr. Am besten sparst du für diesen Fall eine ausreichende Steuerrücklage an. Wie hoch die in etwa sein sollte, erfährst du weiter unten im Abschnitt „So kalkulierst du die Steuerbelastung“.

(2) Vergiss beim Ausfüllen des Fragebogens nicht, auch die Höhe der voraussichtlichen (privaten) Sonderausgaben und die Steuerabzugsbeträge einzutragen. Mit „Steuerabzugsbeträgen“ ist zum Beispiel die Lohnsteuer gemeint, die du und dein Partner auf die voraussichtlichen Einkünfte zahlen wird.

Wie viel Einkommensteuer muss ich zahlen?

Verallgemeinerbare Angaben zur Höhe der Einkommensteuer für nebenberufliche Kleingewerbetreibende sind nicht möglich. Die Steuerbelastung eines Nebengewerbes hängt ab von der Höhe des steuerpflichtigen Gesamteinkommens. Angenommen, ein Fußballprofi vertreibt nebenher Sportkleidung via Ebay oder schreibt Kommentare in einer Sportzeitung. Dann bezahlt er auf sein Zusatzeinkommen deutlich mehr Steuern als eine Krankenschwester, die sich nach Feierabend als Thermomix-Gastgeberin etwas hinzuverdient. Und das ist ja auch gut so.

Bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Gesamteinkommens und der darauf fälligen Einkommensteuer unterscheidet das Finanzamt also nichtnach den verschiedenen Einkunftsarten. Im Jahr 2019 gelten folgende Tarif-Eckpfeiler:

  • Ein zu versteuerndes Einkommen von bis zu 9.168 Euro grundsätzlich steuerfrei. Für gemeinsam besteuerte Ehe- und Lebenspartner gilt der doppelte Grundfreibetrag (18.336).
  • Wer mehr verdient, zahlt auf den Gesamtbetrag zwischen 14 % (= Eingangssteuersatz) und 45 % (= Spitzensteuersatz).

Aber keine Sorge: Der Spitzensteuersatz gilt aber erst für Einkommen über 265.327 Euro (Singles) bzw. 530.654 Euro (Verheiratete).

Auf die Lebensumstände kommt’s an!

Die Höhe des letztlich steuerpflichtigen Einkommens und der darauf fällige Steuersatz hängen zudem von einer Menge anderer Lebensumstände ab. Dazu zählen:

  • der Familienstand,
  • die Anzahl der Kinder,
  • die Höhe der Sonderausgaben (z. B. Versicherungen und Vorsorgeaufwendungen für Krankheit und Alter, Unterhaltszahlungen und Kirchensteuer),
  • die Höhe außergewöhnlicher Belastungen (z. B. Behinderungen, chronische Krankheiten, Unterstützung bedürftiger Angehöriger, Folgen von Naturkatastrophen) oder auch
  • eventuelle Spenden an gemeinnützige Einrichtungen.

Außerdem verringern Ausgaben für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen die endgültige Steuerbelastung.

So kalkulierst du deine persönliche Steuerbelastung

Die voraussichtliche Einkommensteuer-Belastung eines nebengewerblichen Zusatzeinkommens lässt sich zum Glück ohne großen Aufwand überschlagen. Wenn du ein Kleingewerbe startest und sich an deinen übrigen Einkommens- und Lebensverhältnissen nicht viel ändert, ist die Sache recht einfach: Die dafür benötigten Zahlen entnimmst du deinem letzten Steuerbescheid. Aktuell ist das der für 207: Den Bescheid für das Jahr 2018 bekommst du ja frühestens Mitte 2019.

Im Steuerbescheid findest du die Angaben über …

  • das zu versteuernde Einkommen,
  • die darauf fällige Einkommensteuer und
  • den Solidaritätszuschlag.

Angenommen, dein steuerpflichtiges Einkommen betrug laut Steuerbescheid für 2017 insgesamt 50.000 Euro. Weil du verheiratet bist, fielen darauf insgesamt 8.250 Euro Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag an. Das entspricht einem Durchschnittssteuersatz von 16,5 %. (Rechenweg: 8.250 / 50.000 x 100)

Nehmen wir weiter an, du erwartest im Jahr 2019 für dein Kleingewerbe einen monatlichen Gewinn von rund 500 Euro. Dann kommst du auf einen Jahres-Einnahmenüberschuss von 6.000 Euro. Wenn du darauf den Durchschnittssteuersatz des Vorjahres anwendest, ergäbe sich rechnerisch eine Steuer-Mehrbelastung von rund 990 Euro.

Leider kommt das nicht ganz hin. Grund: Die Steuerbelastung im Einkommensbereich zwischen 50.000 Euro und 56.000 Euro ist deutlich höher als der Durchschnittsteuersatz auf 50.000 Euro. Er steigt auf knapp 27 %. Die Steuer-Mehrbelastung durch das zusätzliche Einkommen beträgt daher nicht 990 Euro, sondern rund 1.600 Euro.

Praktisches Online-Tool

Eine realistische Prognose der zusätzlichen Steuerbelastung eines erhöhten Gesamteinkommens ermöglicht der Online-Einkommensteuerrechner des Bundesfinanzministeriums. Dort machst du Angaben…

  • über das „zu versteuernden Einkommen (zvE)“ (im Beispiel: 56.000 Euro),
  • zu den „Persönlichen Verhältnissen“ (im Beispiel: „verheiratet / verpartnert“) und
  • wählst das Berechnungsjahr aus (im Beispiel: 2019):

Anschließend klickst du auf „Berechnen“ und bekommst sofort das Ergebnis angezeigt. Im Beispiel ergibt sich eine steuerliche Gesamtbelastung von rund 9.850 Euro:

Von diesen 9.850 Euro wiederum ziehst du die Steuerbelastung des Jahres 2017 ab (im Beispiel: 8.250 Euro). Unterm Strich fallen auf die 6.000 Euro aus deinem Kleingewerbe somit rund 1.600 Euro Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag an.

Wie eingangs schon gesagt: Die Schätzung gilt für den Fall, dass alle übrigen steuerlichen Sachverhalte unverändert geblieben sind. Sollte sich die Höhe anderer Einkunftsarten geändert haben bzw. Steuerabzüge hinzugekommen oder weggefallen sein, musst du das voraussichtlich zu versteuernde Einkommen entsprechend korrigieren.

Fazit: Mach’s bloß nicht zu genau!

Du solltest aus deiner Steuerprognose keine Milchmädchen-Rechnung machen. Eine centgenaue Punktlandung ist ohnehin unmöglich: Der genaue Einnahmenüberschuss aus deinem Kleingewerbe und die übrigen steuerpflichtigen Einkünfte sowie die genaue Höhe deiner Steuerabzüge stehen ja erst am Jahresende fest. Dann kannst du deine Steuerbelastung mithilfe einer Steuer-Software wie dem WISO steuer:Sparbuch ziemlich genau ermitteln.

Bis dahin genügt eine grobe Schätzung, damit du in etwa weißt, welcher Teil deiner Einnahmen in Wirklichkeit dem Finanzamt gehört. Der BMF-Steuerrechner bietet dafür einen brauchbaren Anhaltspunkt. Mit dessen Hilfe ermittelst du ganz einfach einen persönlichen Kalkulations-Steuersatz, der auf dein Kleingewerbe-Gewinn anfällt (z. B. 20%, 25% oder 30%).

Noch Fragen?

Was Kleingewerbetreibende sonst noch alles beachten sollten und wie invoiz sie dabei unterstützt, erfährst du unter anderem auf folgenden Seiten:

Am besten probierst du die invoiz-Demo gleich aus: Einfach mit E-Mailadresse und Passwort registrieren – und sofort steht dir der volle Funktionsumfang kostenlos zur Verfügung. Du kannst das Rechnungsprogramm dann 14 Tage lang auf Herz und Nieren testen. So bist du hinterher sicher, dass es alle deine Anforderungen erfüllt.

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