Angebotsbindung: Wie lange bin ich an mein Angebot gebunden?

Moritz Buhl

Gute Frage – und wie so oft: Es kommt darauf an. In diesem Fall darauf, ob es sich um ein befristetes oder unbefristetes Angebot handelt. Fangen wir mit befristeten Angeboten an:

Die zeitliche Befristung von Angeboten ist sinnvoll und rechtlich kein größeres Problem. Statt eines Zeitraums gibst du auf deinen Angeboten am besten ein ganz konkretes Gültigkeitsdatum an – etwa so: „Dieses Angebot gilt bis zum 15. Februar 2018.“ Wenn du deine Angebote mit invoiz schreibst, kannst du die Gültigkeitsdauer zum Beispiel im Schlusstext unterbringen:

Beispiel einer Angebotsbefristung in invoiz

Wichtig: Entscheidend für die rechtzeitige Annahme eines Angebotes ist grundsätzlich der Zeitpunkt, an dem dir die Annahme-Willenserklärung „zugeht“ (z. B. eingehender Anruf oder eintreffender Brief oder E-Mail). Nimmt die Gegenseite dein Angebot in diesem Beispiel erst am 16. Februar 2018 (oder später) an, handelt es sich laut § 150 BGB um ein neues (Gegen-)Angebot.

Dein Ursprungsangebot ist damit erloschen. Dadurch bist du auf der sicheren Seite: Du kannst das Angebot der Gegenseite annehmen oder ablehnen. Wenn du nicht reagierst, kommt in diesem Fall ebenfalls kein Vertrag zustande!

Lektüretipp: Dass du deine Angebote zeitlich befristen oder unter anderen Vorbehalten abgeben kannst und worauf du dabei achten solltest, haben wir kürzlich an dieser Stelle erklärt: „Vorsicht: Vertragsschluss trotz Freizeichnungsklausel!

Und was ist mit unbefristeten Angeboten?

Die gute Nachricht gleich vorweg: Auch ohne ausdrückliche Befristung hat dein Angebot nur eine vergleichsweise kurze Mindesthaltbarkeit. Du musst also nicht befürchten, dass ein Kunde Monate oder gar Jahre später ein längst vergessenes Angebot annimmt und auf die Erfüllung eines vermeintlich geschlossenen Vertrages pocht.

Moment mal: Was ist überhaupt ein „Angebot“?

Wichtig: Die Positionen „Anbieter“ und „Nachfrager“ sind in der Vertragsanbahnung nicht festgelegt. Sie können im Verlauf von Verhandlungen wiederholt wechseln. Gehen wir einmal von der üblichen Konstellation aus, dass dein Kunde bei dir eine Lieferung oder Dienstleistung angefragt und dich um ein Angebot gebeten hat:

Bei einem (von dir nicht ausdrücklich als unverbindlich gekennzeichneten) Angebot handelt es sich rechtlich um einen „Antrag“: Damit erklärst du deine Bereitschaft, mit deinem Kunden einen Vertrag abzuschließen. Sobald dein Antrag beim Kunden eingetroffen ist, wird daraus deine wirksame „Willenserklärung“, unter den im Angebot genannten Bedingungen einen Vertrag schließen zu wollen.

In der Folge sind grundsätzlich drei Reaktionen deines Kunden möglich:

  • Nimmt er dein Angebot an, liegen übereinstimmende Willenserklärungen vor. Damit ist der Vertrag zu den von dir genannten Konditionen zustande gekommen (Angebot/Antrag plus Annahme = Vertrag).
  • Lehnt die Gegenseite das Angebot ab, ist die Sache folgenlos erledigt.
  • Ist die Gegenseite mit einzelnen Angebotskonditionen nicht einverstanden und macht ein Gegenangebot, liegt dir ein neuer Antrag vor. Nun kannst du selbst entscheiden, ob du dem Vertragsschluss zu den geänderten Konditionen zustimmen willst oder nicht.

Tipp: Falls die Themen „Angebot“, „Willenserklärung“, „Antrag“, „Annahme“, und „Vertrag“ für dich völliges Neuland sind, empfehlen wir den Grundlagenbeitrag „Was du über Angebote wissen solltest“.

invoiz Screenshot

Dein Finanz- und Rechnungstool

Mindesthaltbarkeit unbefristeter Angebote

Nun aber zur Bindungsfrist: Sofern du in deiner Angebots-„Willenserklärung“ keine Befristung oder sonstigen Vorbehalte gemacht hast, gelten die allgemeinen Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches:

  • Demnach bist du zunächst einmal an den Inhalt eines Angebots gebunden. In 145 BGB heißt es: „Wer einem anderen die Schließung eines Vertrags anträgt, ist an den Antrag gebunden, es sei denn, dass er die Gebundenheit ausgeschlossen hat.“
  • Ein Angebot erlischt, wenn es abgelehnt oder nicht rechtzeitig angenommen wird. Das steht in 146 BGB.
  • Die rechtzeitige Annahme wiederum ergibt sich aus der Situation, während der das Angebot abgegeben wurde:
    • Unter „Anwesenden“ (das heißt bei persönlichen Gesprächen und Telefonaten) kann ein Angebot nur sofort angenommen werden. Das ist in 147 Abs. 1 BGB geregelt. Ohne Annahme ist das Angebot nach Ende des Gesprächs oder Telefonats automatisch vom Tisch.
    • An „Abwesende“ gerichtete (= schriftliche, z. B. per E-Mail, Fax oder Post verschickte) Angebote können gemäß 147 Abs. 2 BGB „nur bis zu dem Zeitpunkt angenommen werden, in welchem der Antragende den Eingang der Antwort unter regelmäßigen Umständen erwarten darf.“

Was „regelmäßige Umstände“ sind, ist natürlich interpretationsbedürftig: Entscheidend ist immer der Einzelfall:

  • Bei einfachen Warenlieferungen beträgt die Bindungsfrist allenfalls ein paar Tage.
  • Geht es um einen komplexeren Auftrag, bei dem die Prüfung von technischen Parametern, kaufmännischen Konditionen und Vergleichsangeboten aufwendig ist, kann die gesetzlich bestimmte Annahmefrist durchaus einige Wochen betragen – bei Großprojekten unter Umständen sogar Monate.

Dass sich ein hinterlistiger Kunde nach Monaten oder Jahren auf dein Angebot beruft und einen Vertragsschluss zu völlig veralteten Konditionen verlangt, musst du jedenfalls nicht befürchten.

Noch Fragen?

Was beim Schreiben von Angeboten, Rechnungen und Mahnungen sonst noch wichtig ist und wie invoiz dir dabei hilft, erfährst du auf folgenden Seiten:

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