Kleinunternehmer-Umsatzgrenze überwachen

Moritz Buhl

Nein, Weihnachten steht noch nicht vor der Tür (auch wenn schon bald in den Supermärkten die ersten Lebkuchen und Dominosteine auftauchen werden, wetten? 😊). Für umsatzsteuerliche Kleinunternehmer lohnt sich ein Blick nach vorn Richtung Jahresende aber unbedingt: Wenn du die praktische Kleinunternehmer-Regelung auch im nächsten Jahr in Anspruch nehmen willst, solltest du deine Umsätze in den kommenden Monaten sehr genau im Auge behalten.

Keine Sorge: Liegen deine steuerpflichtigen Einnahmen im Jahr 2017 über der 17.500-Euro-Grenze, musst du für das laufende Jahr keine Nachteile befürchten. Ist die Umsatzgrenze jedoch erst einmal überschritten, verlierst du in Zukunft deinen Sonderstatus der Kleinunternehmerregelung. Dann gilt für dich im Jahr 2018 auf jeden Fall die „Regelbesteuerung“: Ab Januar müsstest du auf deinen Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen, regelmäßig Umsatzsteuervoranmeldungen machen und so weiter. Falls du Geschäfte mit Privatkunden machst, wirst du um Preiserhöhungen (oder einen Gewinnrückgang) nicht herumkommen.

Wichtig: Eine Aufforderung vom Finanzamt bekommst du am Ende des Jahres nicht. Um die Einhaltung des 17.500-Euro-Limits musst du dich selbst kümmern! Noch nicht einmal ein Steuerberater kann dir die Überwachung der Umsatzgrenze abnehmen: Schließlich erfährt auch der ja erst mit Verzögerung, wie viele Rechnungen du in welcher Höhe bereits verschickt hast und welche davon deine Kunden bezahlt haben.

Ermittle als Kleinunternehmer die aktuelle Umsatzhöhe!

Mal ehrlich: Kannst du auf Anhieb sagen, wie hoch dein Umsatz im laufenden Jahr ist? Falls nicht, solltest du dir ganz schnell Klarheit verschaffen. Zur Erinnerung: Entscheidend ist nicht die Summe deiner Ausgangsrechnungen, sondern die Summe der von deinen Kunden seit Januar tatsächlich bezahlten Rechnungen.

Praxistipp: Wenn du deine Rechnungen mit invoiz schreibst und die laufenden Einnahmen mit der Rechnungs-App überwachst, klickst du im Bereich „Rechnungen“ einfach auf den „Bezahlt“-Button und schon erscheint eine Liste mit den gesuchten Umsätzen:

bezahlte Rechnungen in invoiz

Darüber hinaus kannst du für eine Übersicht in invoiz dafür auch ganz smart den Steuerberaterexport nutzen. Diesen findest du im Bereich „Einstellungen“ unter „Steuerberater Export“: Hier wählst du den gewünschten Auswertungs-Zeitraum und klickst auf „Erstellen“. Daraufhin erzeugt invoiz zwei PDF-Dokumente. Eine Liste deiner Ausgangsrechnungen (mit angehängten Kopien der einzelnen Ausgangsrechnungen) sowie eine Liste deiner Ausgaben (mit sämtlichen Brutto-, Netto- und Steuer-Einzelbeträgen sowie den summarischen Netto- und Bruttowerten). In der Übersicht deiner Ausgangsrechnungen werden in dem Export auch dies bisher erhaltenen Zahlungen aufgeführt:

 

Steuerberaterexport Liste in invoiz

Wichtig: Verkäufe umsatzsteuerfreier Lieferungen und Leistungen sowie Einnahmen aus Verkäufen aus deinem Betriebsvermögen brauchst du bei der Berechnung der 17.500-Euro-Grenze nicht zu berücksichtigen! Auch die grundsätzlich umsatzsteuerpflichtigen privaten Entnahmen oder Nutzungsanteile (zum Beispiel für die Nutzung des Geschäftswagens oder Bürotelefons) zählen nicht zum Kleinunternehmer-Jahresumsatz!

Tipp: Weitere Informationen über die Voraussetzungen der Kleinunternehmer-Regelung gemäß § 19 Abs. 1 UStG findest du im invoiz-Crashkurs Kleinunternehmerregelung.

invoiz Screenshot

Dein Finanz- und Rechnungstool

Was tun, wenn’s eng wird?

Falls du schon jetzt absehen kannst, dass es schwierig wird, in diesem Jahr die Umsatzgrenze der einzuhalten, hast du verschiedene Möglichkeiten. Du kannst …

  • bis Ende 2017 weniger Aufträge übernehmen oder sie aufs nächste Jahr verschieben,
  • Rechnungen für Aufträge des Jahres 2017 erst im Jahr 2018 verschicken,
  • bei bereits verschickten Rechnungen mit den betreffenden Kunden vereinbaren, dass sie erst im neuen Jahr bezahlen – aber auch
  • überlegen, ob es überhaupt sinnvoll ist, weiterhin die Umsatz-Punktlandung zu versuchen: Schließlich bringt der Verlust des Kleinunternehmer-Status auch eine Reihe von Vorteilen – angefangen beim Vorsteuerabzug bis hin zum besseren Unternehmens-Image.

Wer schläft, den bestraft der Fiskus!

Solltest du jedoch den Wechsel zur Regelbesteuerung versäumen, kann das für dich ziemlich teuer werden. Angenommen, du merkst erst Mitte 2018, dass die Voraussetzungen der Kleinunternehmer-Regelung bei dir nicht mehr erfüllt sind:

Dann verlangt das Finanzamt von dir für alle aufgelaufenen Umsätze den im Verkaufspreis enthaltenen Umsatzsteueranteil. Dass du auf deinen Rechnungen keine Mehrwertsteuer ausgewiesen hast, spielt keine Rolle! Du musst den Umsatzsteueranteil aus der eigenen Tasche bezahlen – und deine Kunden sind trotzdem nicht berechtigt, den Vorsteueranteil geltend zu machen.

Rechenexempel gefällig? Nehmen wir an, deine Kunden haben bis Mitte 2018 Rechnungen über 10.000 Euro beglichen. Dann sind darin beim Regelsteuersatz von 19% knapp 1.600 Euro Umsatzsteuer enthalten (genauer: 10.000 / 1,19 x 19 / 100 = 1.596,64 Euro). Die allerwenigsten Kleinunternehmer zahlen das aus der Portokasse!

Zwar darfst du deinen Kunden theoretisch korrigierte Rechnungen inklusive Umsatzsteuer schicken: Ob sie jedoch bereit sind, die auch zu zahlen, ist fraglich: Für Verbraucher bedeutet der Mehrwertsteuer-Aufschlag eine echte Preiserhöhung – was ja auch der Grund ist, warum die Kleinunternehmer-Regelung vor allem im Privatkundengeschäft Sinn ergibt und angewendet wird. Im B2B-Geschäft hat die Kleinunternehmer-Regelung für dich gegenüber der Regelbesteuerung keine finanziellen Vorteile, weil die Vorsteuer für deine Geschäftskunden ja ein durchlaufender Posten ist.

Du willst noch mehr zum Thema Kleinunternehmer wissen?

Dann bist du in unserer invoiz Bibliothek bestens aufgehoben. Auf der Seite „Kleinunternehmerregelung: Was du als Kleinunternehmer wissen musst!“ findest du alle wichtigen Informationen für Kleinunternehmer.

Noch Fragen?

Was beim Start in die Selbstständigkeit in Sachen Rechnungsstellung und Umsatzsteuer sonst noch alles zu beachten ist und wie invoiz dir dabei hilft, erfährst du auf folgenden Seiten:

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3 Kommentare

  1. Wie sieht es denn bei der 50.000 EUR Grenze aus? Mein Fall: Ich werde die 17.500 in diesem Jahr erstmals überschreiten, aber die 50.000 werden auch gleich eng (lande vielleicht bei 60.000). Habe dem Finanzamt aber schon gesagt, dass ich ab Anfang 2018 zur Einzelunternehmerregelung wechseln werde und die haben das bereits vorgemerkt. Machen die mir jetzt die Hölle heiß? Das sind ja alles nur Schätzungen….

    1. Hallo Christoph,

      vielen Dank für deine Nachfrage! Kurz vorweg: Eine steuerliche Einzelfallberatung können (und dürfen) wir dir an dieser Stelle nicht anbieten – daher nur ganz allgemein:

      1.
      Bei der 50.000-Euro-Grenze des § 19 UStG https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html
      … handelt es sich um eine Schätzung. Anfang 2017 hast du geschätzt, dass dein Umsatz „im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird“. So verlangt es das Gesetz – alles im grünen Bereich.

      2.
      Dass der Umsatz, wie in deinem Fall, unverhofft ca. 20% höher ausfällt, kommt in den besten Unternehmen vor. Sofern deine Schätzung zu Jahresbeginn seriös und der Auftragsboom nicht absehbar war, hast du nichts zu befürchten.

      3.
      Das gilt vor allem deshalb, weil du deine positive Geschäftsentwicklung offenbar schon von dir aus dem Finanzamt mitgeteilt hast.

      4.
      Übrigens: Eine „Einzelunternehmerregelung“ gibt es nicht. Einzelunternehmer bist du auch jetzt schon. Ab 2018 gilt für dich bloß die Kleinunternehmer-Regelung nicht mehr. Statt dessen unterliegst du bei der Umsatzsteuer der Regelbesteuerung. Das war‘s auch schon: Alles ist / wird gut.

      5.
      Die Einzelheiten besprichst du am besten mit einem Steuerberater. Den kannst du ab nächstem Jahr wahrscheinlich ohnehin gebrauchen.

      Alles Gute und viele Grüße, Wiebke

      1. Hallo Wiebke,

        vielen Dank für die Antwort, das hört sich ja entspannt an 😉 Ich gehe dann mal die nächsten Schritte.

        Viele Grüße

        Christoph

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