Das wird knapp: Schwankende Einnahmen in der Selbstständigkeit

Gastautorin Christina Spill

So schön es ist, seine eigene Chefin zu sein und die Arbeitszeit den eigenen Bedürfnissen entsprechend einteilen zu können – beim Blick aufs Geschäftskonto wünsche ich mir hin und wieder schon die guten alten Zeiten zurück, in denen ich als Redakteurin bei einer Tageszeitung gearbeitet habe. Früher bekam ich zuverlässig am Ende des Monats mein Gehalt überwiesen, immer denselben Betrag – und dann auch noch Weihnachts- und Urlaubsgeld oben drauf. Heute sieht das anders aus.

Ein ewiges Auf und Ab

Seit fünf Jahren bin ich als selbstständige Journalistin und Texterin im Einsatz. Und das bedeutet: Schwankende Einnahmen. Denn wann und wofür meine Dienste in Anspruch genommen werden, darauf habe ich nur bedingt Einfluss. An manchen Tagen mache ich nach zwei Stunden am Schreibtisch schon Feierabend. Und dann gibt es Wochen, in denen ich auch am späten Abend noch an Texten feile, weil eine wichtige Messe für einen Kunden ansteht oder für das Relaunch einer Homepage plötzlich doch noch Inhalte gebraucht werden. Hinzu kommt: Im Journalismus ist es gang und gäbe, erst bei Veröffentlichung bezahlt zu werden. Auch, wenn ich über Wochen hinweg viel Zeit in die Recherche für eine Geschichte stecke und alles pünktlich liefere – gezahlt wird erst, wenn’s auch gedruckt ist. Und das kann manchmal dauern. Unvorstellbar in anderen Berufen. Schließlich bezahlt man den Schreiner auch nicht später, weil man den neuen Tisch noch nicht benutzt, sondern gleich nach der Lieferung. Aber so sieht’s aus.

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Low Season im Sommer und zur Weihnachtszeit

Wenn ich selbst Urlaub mache, kann ich nicht arbeiten. Folglich nehme ich nichts ein. Ähnlich sieht es aus, wenn für alle anderen die Ferienzeit beginnt: Ab Mitte Juni gehen die Aufträge merklich zurück. Wenn die Büros nur knapp besetzt sind, werden neue Marketing-Maßnahmen oft hinten angestellt – Texte für die Homepage, für Flyer, Broschüren und sonstiges Infomaterial werden erst in Auftrag gegeben, wenn sich wieder jemand darum kümmern kann. Ähnlich sieht es dann kurz vor Weihnachten aus: Während bis zum vierten Advent alles eilt und dringend noch fertig werden muss, bevor es besinnlich werden darf, ist dann plötzlich „Stille Nacht“ – oft bis Ende Januar, weil viele noch Urlaubstage übrig hatten. Das spiegelt sich auch auf meinem Kontostand wider. Ich erinnere mich außerdem nur ungern an meine erste Steuernachzahlung am Anfang meiner Selbstständigkeit, die mich leider eiskalt erwischte – ich musste mir Geld leihen, um das plötzliche Minus ausgleichen zu können.

Alles halb so schlimm

Das hört sich jetzt alles furchtbar deprimierend und total abschreckend an – dabei liebe ich meinen Job sehr, und die Entscheidung für die Selbstständigkeit war eine der besten, die ich in meinem Leben getroffen habe. Mittlerweile weiß ich, wann im Jahr das Telefon stumm bleibt und die E-Mail-Flut abebbt. Um meine laufenden Kosten auch in diesen ruhigeren Zeiten decken zu können, lege ich monatlich etwas zurück. Außerdem versuche ich, z.B. Fortbildungen oder den Besuch von bzw. die Teilnahme an Messen in diese Zeit zu legen, um sie effektiv zu nutzen. Anfang des Jahres habe ich zum Beispiel meine Referenzen auf Vordermann gebracht und ein paar Beiträge für meinen eigenen Blog vorproduziert, damit ich regelmäßig etwas Neues zeigen kann, auch wenn ich gerade für meine Kunden rotiere. Um dem Schock einer Nachzahlung vorzubeugen, überweise ich einmal im Monat die eingenommene Umsatzsteuer auf ein Extrakonto. So komme ich gar nicht erst auf die Idee, dieses Geld auszugeben.

Viele Standbeine – also in meinem Fall: viele unterschiedliche Kunden – sorgen für mehr Planungssicherheit. Inhalte für eine neue Mitarbeiterzeitschrift hier, die Überarbeitung von Kundenanschreiben dort, dazu Beiträge für Fachzeitschriften oder Wirtschaftsmagazine, Texte für eine Homepage oder eine Imagebroschüre, Korrektorat und Lektorat. Irgendwas geht immer. Und so schön der regelmäßige Zahlungseingang in meiner Zeit als Angestellte auch war: Das gute Gefühl, mein Ding zu machen und der Stolz darauf, das alles ganz alleine zu wuppen – das ist einfach unbezahlbar.

Über die Autorin

Christina Spill lebt und arbeitet als freie Journalistin und Texterin in Siegen. 2013 hat die ausgebildete Redakteurin sich selbstständig gemacht: Mit ihrer Textagentur „Die Satzkiste“ bietet sie Inhalte von der Reportage über Textlösungen für Unternehmen bis hin zu Korrekturen und Lektoratsarbeiten.

facebook.com/die.satzkiste

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